Künstliche Intelligenz im Recruiting

December 20, 2019

Dass künstliche Intelligenz die Art und Weise wie wir arbeiten langfristig und nachhaltig verändert, ist unbestritten. Die moderne Technologie ist auf dem Vormarsch. Während KI in der Automobilbranche, der Medizin oder auch in der Landwirtschaft bereits großen Anklang in der Anwendung findet, hinkt der HR- Bereich noch immer hinter her. Laut einer im März 2019 durchgeführten Umfrage des Bundesverbands der Personalmanager setzen von 860 befragten Personalern lediglich 16% KI- basierte Technologien ein.


Um zu begreifen, inwiefern KI eine Unterstützung in der alltäglichen Personalarbeit sein kann, muss zunächst verstanden werden, was sich hinter der menschengemachten künstlichen Intelligenz verbirgt:


Der Status Quo künstlicher Intelligenz gibt zu erkennen, dass die Grundstruktur künstlicher Intelligenz auf neuronalen Netzen beruht – diese Funktionsweise zum Informationsaustausch kennen wir aus dem menschlichen Gehirn. Das Gehirn verarbeitet im Durchschnitt abertausende Informationen pro Sekunde, erkennt Zusammenhänge, trifft Entscheidungen und das selbst unter hohem Druck. Das kann KI (noch) nicht. Um KI etwas beizubringen, bedarf es des „deep learning“. Die KI benötigt hierfür Milliarden von Beispielen, um etwas zu „verstehen“. Das Finden, Benennen und Kategorisieren solcher Beispiele sind mit extremem Zeitaufwand verbunden.


Künstliche Intelligenz kann nur so gut sein, wie die Daten, mit derer man diese zum maschinellen Lernen „füttert“. Algorithmen durchforsten, analysieren und werten eigenständig diese enormen Datenmengen nach Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten, Mustern oder Fits bzw. Kompatibilität aus und liefern Erkenntnisse.
Big Data, Matching-Recruiting, Robo-Recruiting, Data-Driven Recruiting – Buzzwords, die einem im Zusammenhang von Rekrutierung und künstlicher Intelligenz zwangsläufig begegnen. Da aktuell keine allgemeingültigen, einheitlichen Definitionen zu o. g. Trendbegriffen existieren, herrscht immer noch große Unwissenheit im Anwendungsbereich von KI.


Doch in welchen Bereichen wird KI in Rekrutierungsprozessen bereits wirklich eingesetzt? Die Umfrage des BPM zeigt mit 20,9% eindeutig, dass KI hauptsächlich im Aufgabenfeld der Mitarbeiter bzw. Kandidaten-Suche zum Einsatz kommt und Personaler die Veränderung der Personalprozesse innerhalb der kommenden drei Jahre in diesem Aufgabenfeld als dominantes Thema sehen. Folgend werden die gängigsten Anwendungen erläutert:


Matching
In den Medien bereits öfters als “Kandidaten mit dem Dating-App Prinzip finden” beschrieben: das Job-Matching. Hier werden durch einen hinterlegten Algorithmus Anforderungsprofile oder die in der Stellenbeschreibung geforderten Fähigkeiten mit den von Kandidaten gebotenen Fähigkeiten abgeglichen. Diese Typisierung filtert passende Kandidaten aus einem Datenbankpool heraus und schlägt diese vor.


Augmented Writing
Augmented Writing ist eine softwarebasierende Analyse des Textens von Stellenausschreibungen und der maschinellen Erstellung dieser. Das Anforderungsprofil der Stellenausschreibung und Daten aus der Sprachmusteranalyse von ähnlichen Jobanzeigen dienen als Grundlage für das System um darauf basierend automatisch eine Stellenausschreibung zu verfassen. Dieses System kann außerdem erlernen, welcher Kanal sich für welche Stellenausschreibung eignet – wenn hierzuPerformancedaten aus der Vergangenheit vorliegen.


Chatbots
Chatbots sind virtuelle Assistenten, eine Art Messenger-Dienst welche mit Nutzern in den einfachen Dialog treten können. Sie können den ersten Informationsbedarf von Bewerbern abdecken. Nicht nur einfache, allgemeine Fragen zum potenziellen Arbeitgeber, auch stellenspezifische Angaben oder erste Terminvereinbarungen können von einem Chatbot übernommen werden. Das selbstständige Reagieren des Chatbots basiert auf dem Wenn-Dann Prinzip und kann 24/7 Anfragen beantworten. Übersteigt eine Anfrage die Fähigkeit des Chatbots, kann diese zur Bearbeitung automatisch an eine reelle Person weitergeleitet werden.


CV-Parsing
Ist das strukturierte Auslesen von Bewerbungsunterlagen oder Online- Profilen mittels einer Software. Diese analysiert Textbausteine und identifiziert Mustererkennung um im Nachgang Daten automatisch übertragen und zuordnen zu können. So kann auch nach Bewerbern mit bestimmten Eigenschaften und Qualifikationen gefiltert werden.


Automatisierte Absagen
Durch das Festlegen bestimmter Bedingungen, um für eine offene Vakanz in Frage zu kommen, können regelbasierte Handlungsketten ausgelöst werden. Beispielsweise durch das Nicht-Erfüllen bestimmter Kriterien wie erforderte Qualifikationen können automatisierte Absagen als Folge an Bewerber versendet werden. Eine automatisierte Absage kann auch nach manuellem „out“ setzen einzelner Bewerber als Massenmail verschickt werden, wie es in Bewerbermanagementsystemen bereits oft implementiert ist.


Vorstellungsgespräche
Es gibt bereits Unternehmen, welche softwarebasierte automatisierte Lösungen einsetzen, die Vorauswahlgespräche mit Bewerbern führen. Im Gespräch werden Daten zu Gesprächsinhalt, Stimme, Sprechgeschwindigkeit, Mimik und benutztem Vokabular generiert und analysiert um daraus im Nachgang ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Die künstliche Intelligenz soll dabei subjektive Kriterien, welche ein Personaler wohlmöglich in der Einstellungsentscheidung beeinflussen, umgehen und objektiv beurteilen und bewerten. Ein Irrtum, welcher in diesem Kontext umhergeistert ist, dass KI nicht diskriminierend ist. Auch KI kann diskriminierend sein, was ihr unbewusst gelernt werden kann, wie das Beispiel von Amazon zeigt, dessen Algorithmus das männliche Geschlecht im Rekrutierungsprozess bevorzugte. Dies wurde der KI aufgrund der Daten
vergangener, erfolgreicher Einstellungen suggeriert. Der häufigste Bewerbertyp des Unternehmens ist männlich und zugleich technikaffin. Die Schlussfolgerung der KI: besonders Männer identifizieren sich mit dem Unternehmen, welche in der technischen Branche verstärkter vertreten sind. Dies bestätigt, dass KI nur so gut wie die Daten, die ihr zu Grunde liegen, sein kann.


KI kann auf den aktuellen Stand bezogen also als digitales Helferlein zur Entlastung in
Rekrutierungsprozessen gesehen werden. Wenn wir abschließend einen Blick in die Zukunft werfen und uns vorstellen, inwiefern eine ausgereifte KI unsere menschliche Intelligenz ergänzen oder in Teilbereichen übertreffen könnte, darf man erwarten, dass Künstliche Intelligenz ein beachtliches Leistungsniveau erzielen kann, um der Menschheit eine wertvolle Hilfestütze zu sein. Doch allen voran hat KI zur Hauptaufgabe als Entlastung zu dienen und die Arbeit des Menschen zu vereinfachen in dem sie Dinge analysiert, Wissen generiert und daraus Lösungen als Entscheidungsgrundlage für Probleme entwickelt.

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